6. bis 8. November 2018
Plenarsaal Bonn
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Herbert Strosetzky

Industriecamping - Mobilmachung für die Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten

 

„Industrie-Camping, was gibt es Schöneres?“

Natürlich gibt es schöneres als Industrie-Camping! Industrie-Camping bedeutet nämlich, dass man neben der Maschine, an der man sonst arbeitet, einschläft. Industrie-Camping bedeutet, dass man mit den Kolleginnen und Kollegen, mit denen man sonst arbeitet, gemeinsam aufwacht. Könnte man sich Schöneres vorstellen? Eigentlich schon! Denn die meisten Kollegen hätten natürlich auch gerne in ihren Betten zu Hause geschlafen. Dies war allerdings für mehrere Tage im Dezember nicht der Fall.

Zum Projekt:

Am Anfang verhinderten wir als Betriebsrat die geplanten Entlassungen, die aus   konjunkturellen Gründen und zum anderen wegen der geplanten Verlagerung eines Großteils der Produktion nach Tschechien hervorgerufen wurde.

Ein umfassendes Konzept zur Gesundung des Unternehmens, mit der Möglichkeit, Arbeitsplätze in großem Umfange zu erhalten, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden und auch die Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan scheiterten. Darauf wurde der Betrieb besetzt und sorgfältig darüber gewacht, dass nicht eine Maschine, Vorrichtung oder Schraube aus dem Betrieb entfernt und nach Tschechien verlagert wurde. Dieser Kampf und alles was sonst noch neben dem Industrie-Camping auf die Beine gestellt wurde, verhalf der Belegschaft zu einer gut dotierten einjährigen Transfergesellschaft mit einer überdurchschnittlichen Abfindung. Das Sozialplanvolumen von 17,2 Millionen Euro wird von der Arbeitnehmerseite verwaltet. Wodurch wir auch die Möglichkeit haben z.B. Frauen gesondert zu Fördern. Sie sind zwar bei mdexx ausgebildet und qualifiziert worden, haben aber auf Grund der langjährigen, auf mdexx angepassten Tätigkeiten im Werk, leider eine geringere Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Auch der Erhalt einer Werkstatt des Martinshofes (Wfb- Werkstatt für Behinderte), welche im Werk integriert ist und mit ca. 40 Mitarbeitern betrieben wird, konnte gesichert werden.

Außerdem konnten wir einen großen Erfolg durch unsere einstweilige Verfügung auf Unterlassung der Kündigungen vor dem Arbeitsgericht Bremen/ Bremerhaven verbuchen. Das Arbeitsgericht entschied, dass Betriebsräte verlangen können, dass bei geplanten Entlassungen zunächst über Kurzarbeit entschieden werden muss.

Zum Unternehmen:

Bei der Firma mdexx GmbH handelt es sich um einen ehemaligen Betrieb der Siemens AG der 2004 ausgegliedert wurde ( 100 % Tochter der Siemens AG ) und Ende 2008 im Wege des Betriebsübergangs gemäß § 613 a BGB auf einen neuen Inhaber übertragen wurde. Bei diesem Inhaber handelt es sich um Investoren, die das Unternehmen ohne Konzernbindung als mittelständisches Unternehmen weiter betreiben wollten. Zum Zeitpunkt des Übergangs waren ca. 500 Arbeitnehmer in diesem Betrieb beschäftigt. Es existiert ferner eine Niederlassung in Tschechien und eine Niederlassung in der Volksrepublik China.

Zur Person:

Herbert Strosetzky ist 1954 geboren und seit 1986 im Betrieb tätig. Er machte eine Ausbildung zum Werkzeugmacher und eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Maschinenbautechniker. Er ist IG Metall Mitglied, seit 2001 Betriebsratsvorsitzender und ab 2002 freigestellter Betriebsratsvorsitzender. Von 2006 bis zum Verkauf war er Mitglied im Siemens Konzernbetriebsrat.