6. bis 8. November 2018
Plenarsaal Bonn
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„Mitbestimmungsakademie“ – Ausbildung künftiger Mitbestimmungsakteure

Bernd Rabe

Bernd Rabe

Zum Projekt:

Die Welt der Mitbestimmung und die Aufgaben der Betriebsräte werden immer komplexer. Das Hineinwachsen eines Betriebsrates in ein solches Amt braucht Zeit, Wissen und Erfahrungen.

Die Anfangszeit, in der neue Betriebsräte ihr Amt ausfüllen, ist auch eine Zeit der Unsicherheit, der fehlenden Wissensbasis und häufig des Verständnisses für diese Prozesse. Es ist eine Zeit, in der auch die Interessen der Beschäftigten weniger optimal vertreten werden können, da verschiedene Kompetenzen den Funktionsträgerinnen und -trägern fehlen. Auch geschichtliches, politisches, wie auch kulturelles Wissen fehlt den neuen Funktionsträgern häufig, welches jedoch notwendig ist, um Ursprünge und Verläufe von Prozessen zu verstehen und sinnvollen Einfluss auf deren weiteren Verlauf nehmen zu können.

Und die Geschichte „unserer Hütte“ ist eine sehr bewegte. Der Kampf gegen die Demontage der Hütte, die 1951 endete sowie die harten Auseinandersetzungen gegen den Verkauf der Stahlsparte 1997/98 prägte Generationen der bei uns abhängig Beschäftigten und die ganze Region. Diese Erinnerungen und Erfahrungen sind Fundament der Kultur „unserer Hütte“. Diese Kultur, die ein hohes kollektives Selbstbewusstsein der Mannschaft aufweist, ist elementarer Bestandteil unserer Durchsetzungsstärke als Betriebsrat. Doch diese Kultur verändert sich, wird porös.

„Neuen Betriebsräten“ fehlt häufig das Verständnis für Prozesse, die in dieser Kultur entstanden sind. Auch verschiedene noch nicht oder wenig ausgebildete Kompetenzen verändern die Interessensvertretung.

Auch aufgrund dieser Erfahrungen hat der Betriebsrat der Salzgitter Flachstahl beschlossen - aktive Vertrauensleute auf dieses Amt und seine Herausforderungen vorzubereiten. Mitbestimmung bedarf vieler Kompetenzen!

Besonderheit des Projektes:

Das Projekt soll die politische und fachliche Theorie stärker mit der existierenden Praxis verzahnen. Dabei sollen die Teilnehmerinnen und -teilnehmer der Mitbestimmungsakademie anhand der existierenden, gelebten Situationen im Betrieb und Arbeitsplatz, die Mitbestimmungspraxis verstehen lernen und diese kritisch reflektieren.

Eines der Ziele ist es, Kolleginnen und Kollegen auszubilden, die Zusammenhänge verstehen und Gegebenes kritisch hinterfragen.

Außerdem sollen diese Aktiven künftig noch mehr „mit“ anstatt „für“ die Kolleginnen und Kollegen tätig werden. Das ist unserer Ansicht nach der einzige Weg, die Durchsetzungsstärke der Interessensvertretung zu Erhalten und zu Erneuern.

Diese Ausbildungsreihe soll als Ergänzung zu den gewerkschaftlichen Bildungsangeboten genutzt werden und gleichzeitig die Teilnehmenden für gewerkschaftlichen, vertiefenden Bildungsangebote begeistern.

Aktuell gibt es zwei Jahrgänge (à 15 TN), die über 4 Jahre diese Akademie durchlaufen. Es gibt 4 Kompetenzfelder: Die Soziale, Politische, Fachliche und Methodische Kompetenz. Für jedes Kompetenzfeld werden sie 1 Tag pro Quartal weitergebildet. Am Ende eines jeden Jahres gibt es noch ein Abschlusswochenende, in dem das letzte Jahr und dessen Inhalte betrachtet werden. Auch wird ein Ausblick auf das kommende Jahr gegeben und geschichtlich- kulturelle Aspekte eingeflochten (z.B. Besuch des Auswandererhaus in Bremerhaven - Migrationsfragen).

Für die gesamte Ausbildungszeit werden betriebliche Referenten (erfahrene Betriebsräte, Fachreferenten), wie auch externe Referenten genutzt.

Zum Unternehmen:

Die Salzgitter Flachstahl GmbH ist die größte Tochtergesellschaft der Salzgitter AG.

Die ca. 4.800 Beschäftigten stellen Flachstahl her, der vielfältig in verschiedenen Bereichen der Industrie verarbeitet wird, z.B. im Fahrzeug- und Maschinenbau.

In unserem Unternehmen arbeiten 29 Betriebsräte mit ca. 300 Vertrauensleuten für die Interessen der Beschäftigten.

Zur Person:


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