6. bis 8. November 2018
Plenarsaal Bonn
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Monika Heim

Equal Pay! – Entgeltgleichheit und Geschlechtergleichstellung bei Festo

Monika Heim

Zum Projekt:

Jedes Jahr wird gebetsmühlenartig anlässlich des Equal Pay Day in den Medien, in den Gewerkschaften, in den Belegschaften der Gender Pay Gap beschworen.

Wir vom Ausschuss „Beruf & Familie“  wollten es wissen: Gibt es diese Lücke auch bei Festo?

Diese Frage wurde im Betrieb recht kontrovers diskutiert: Einerseits ist durch den Tarifvertrag ERA eine geschlechtsspezifische Bezahlung ausgeschlossen; andererseits berichteten Kolleginnen immer wieder von ungleichen Löhnen bei gleicher Arbeit.

Personalwesen bestritt eine Ungleichbezahlung, Teile des Betriebsrates behaupteten das Gegenteil; jedoch konnte keine der beiden Positionen mit Daten unterlegt und bewiesen oder widerlegt werden. Weder das Personalwesen noch der Personalausschuss des Betriebsrates hatte bis zu diesem Zeitpunkt Entgeltdaten unter dem Blickwinkel Entgeltgerechtigkeiten untersucht.

In dieser Lage erfuhren wir 2010 vom Projekt "Umsetzung des Allgemeines Gleichbehandlungsgesetzes im Betrieb am Beispiel der Entgeltgerechtigkeit" des IMU-Institutes Stuttgart.

Der Ausschuss „Beruf & Familie“ beschloss, sich um eine Teilnahme zu bewerben und je nach Ergebnis Maßnahmen einzuleiten.

Das Ergebnis des Projektes vorweggenommen: Ja, es gibt Ungleichheiten bei der Bezahlung!

Was zeichnet dieses Projekt aus?

1.    Der erstmalige ganz konkrete Blick auf Entgeltverteilungen Im Betrieb durch die „Genderbrille“.
Was bisher vermutet oder abgestritten wurde, ist nun konkret: Es gibt tatsächlich Entgeltungleichheiten. Manche Ergebnisse sind zum Teil erstaunlich und widersprechen Trends in der Gesamt- und baden-württembergischen Wirtschaft. Anderes ist eher typisch.
Unsere Aufgabe wird es nun sein, diese Ungleichheiten abzubauen bzw. zu glätten.
Eine mögliche Folge kann auch die verstärkte Rekrutierung von Frauen in Führungspositionen sein, auch hier ist Festo unterdurchschnittlich. 

2.    Beteiligung der Belegschaft:

  • Das  Projekt wurde zwar 2010 vom Ausschuss „Arbeit & Familie“ initiiert, der eigentliche Auftrag zur Teilnahme kam aber von den Frauen.
  • Über den Projektverlauf wurde regelmäßig in internen Medien und auf Betriebsversammlungen berichtet, das Endergebnis wieder an einem Frauentag vorgestellt.
  • Zur Einstimmung auf den Vortrag wurde ein Quiz entwickelt, das im Betrieb etwa Anfang März 2012 via Papierauslage und im Intranet auf die Thematik einstimmte. Als Anreiz zur Teilnahme gab es ein Lösungswort und Preise.
  • Auf der Frauentagsveranstaltung am 8. März 2012 wurde die Entgeltanalyse vorgestellt. Im Anschluss wurden die Anwesenden in 4 Kleingruppen aufgeteilt und sollten folgende Fragen in moderierten Diskussionen beantworten:
  1. Was macht Festo als Arbeitgeber für Frauen attraktiv?                                       
  2. Welche Gründe führen aus Sicht der Veranstaltungsteilnehmerinnen zur dargestellten Verteilung von Frauen und Männern?
  3. Was könnte besser sein?
  4. Konkrete Verbesserungsvorschläge sind: …

3.    Beteiligung des Unternehmens
Festo wurde vor Projektbeginn dazu befragt, ob es teilnehmen möchte. Größere Teilschritte wurden gemeinsam festgelegt, alle Ergebnisse vor Veröffentlichung an das Unternehmen kommuniziert. Die benötigten Daten wurden vom Personalwesen bereitgestellt. Man einigte sich auf eine gemeinsame Sprachregelung auf der Frauentagsveranstaltung und achtete sehr auf eine möglichst neutrale Darstellung.

Zum Unternehmen:

Festo ist ein weltweit führender Anbieter von Automatisierungstechnik für die Fabrik- und Prozessautomation. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Esslingen a. N. hat sich in über 50 Jahren durch Innovationen und Problemlösungskompetenz rund um die Pneumatik zum Leistungsführer seiner Branche entwickelt. Heute bietet das Unternehmen pneumatische und elektrische Antriebstechnik für die Fabrik- und Prozessautomatisierung für über 300.000 Kunden in 200 Branchen weltweit sowie modernste Qualifizierungslösungen für das industrielle Umfeld. Die Festo Gruppe erreichte im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von über 2 Mrd. Euro und ist mit rund 15.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 250 Standorten weltweit präsent.

Rund die Hälfte ist im Ausland beschäftigt. Weltweit betreuen 3.500 Außendienst-Mitarbeiter die Kunden vor Ort.

Die Unternehmenszentrale in Esslingen ist das Herzstück der Festo Gruppe weltweit. Im TechnolgieCenter laufen die Fäden aus den 59 Landesgesellschaften zusammen. In Forschung und Entwicklung entstehen jedes Jahr rund 100 Produktneuheiten für die Fabrik- und Prozessautomation.

Festo Esslingen in Zahlen:

4.500 MitarbeiterInnen, davon ca. ein Viertel Frauen

  • Weltweite Unternehmenszentrale  (Forschung und Entwicklung; Einkauf; Ventil- und Elektronik-Produktion; Vertrieb)
  • 100 Produktneuheiten pro Jahr 
  • Festo Weiterbildungs-Academy 
  • Berufliche Ausbildung und duales Studium 

www.festo.com

Zur Person:

Monika Heim ist seit 2001 bei Festo als IT-Fachfrau im Rechenzentrum beschäftigt.

Seit 2004 ist sie Betriebsrätin, seit 2012 freigestellt.

Schwerpunkte ihrer Arbeit im Betriebsrat sind: Betrieblicher Datenschutz, Gleichstellung der Frauen, paritätische Kommission.

Heim ist Mitglied der betrieblichen Beschwerdestelle nach dem AGG, Vorsitzende des Ortsfrauenausschusses der IG Metall Esslingen und Mitglied der Ortsverwaltung der IG Metall Esslingen.


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