6. bis 8. November 2018
Plenarsaal Bonn
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Roland Schneider

Roland Schneider

Roland Schneider

 

Zum Projekt:

Die Geschäftsführung will, erstmals in der Firmengeschichte, Leiharbeit im zentralen Tätigkeitsbereich des Unternehmens - im pädagogischen Bereich (Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen) - einführen. 

Begründund hierfür ist ein hoher Krankenstand.

Der Betriebsrat wurde im Juni 2011 mit diesem Sachverhalt konfrontiert.

Ein Teil des Betriebsrates war vehement gegen den Einsatz von Leiharbeit. Der andere Teil neutral bis zähneknirschend dafür.

Der Personalausschuss wurde mit der Bearbeitung beauftragt und eine Inhouseschulung mit einem ver.di Fachanwalt für Arbeitsrecht durchgeführt. Derselbe Anwalt wurde auch als Sachverständiger bestellt.

Nach sehr lebhaften Diskussionen wurden drei alternative Ziele für einen BR-Beschluss definiert:

  • Leiharbeit mit allen Mitteln verhindern
  • Den Arbeitgeber machen lassen 
  • An einer freiwilligen BV mitwirken

Nach längerer Meinungsbildung und Vorbereitung durch den Personalausschuss wurde fast einheitlich beschlossen:

Mitwirken und Mitgestalten. Wenn keine akzeptable BV zustande gekommen wäre, hätte der BR blockiert wo es geht.

Weitere Ziele für eine BV wurden nun entwickelt, beschlossen und mit dem Arbeitgeber verhandelt.   

Im Mai 2012 kam es zum Abschluss einer freiwilligen BV. Kernpunkte waren:

  • Der Leiharbeitseinsatz darf maximal 2% der Stammbelegschaft nicht überschreiten
  • Die LeiharbeitnehmerInnen bekommen eine Lohn-Zulage ab dem ersten Tag. Dadurch sind sie mit neu eingestellten KollegInnen nach TV-AVH-ÖD (fast) gleichstellt.
  • Der BR und der Arbeitgeber bilden eine Steuerungsgruppe, in der Probleme Daten und Fakten über den Einsatz von Leiharbeit besprochen und analysiert werden.
  • Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen
  • Erst müssen alle internen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor es zum Einsatz von Leiharbeit kommt. Das heißt z.B., Mehr- oder Überstundenwünsche von KollegInnen müssen zunächst berücksichtigt werden. Dafür gibt es eine umfangreiche Checkliste für Vorgesetzte.
  • Der Arbeitgeber händigt eine Informations-Broschüre des Betriebsrates den LAN aus.

Der Betriebsrat hat über seine Öffentlichkeitsarbeit die Kolleginnen über den Sachstand laufend informiert.

Auch weiterhin sieht der Betriebsrat den Einsatz von Leiharbeitnehmern als kritisch an. Kinderbetreuung und Bildung ist nicht mit der Wartung einer Maschine zu vergleichen, wenngleich auch hier eine hohe Qualifizierungen benötigt wird und die Verantwortung auch immens ist.

Die Bildung und Betreuung von Kindern ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe und erfordert aber auch noch eine hohe Verlässlichkeit und Kontinuität, die eine Leiharbeitskraft systembedingt nicht erbringen kann.

Auch wenn Betriebsrat und Arbeitgeber sich nahezu auf die gleichen Arbeitsbedingungen für die LAN geeinigt haben, so wird für den Betriebsrat Zeitarbeit nicht gleich heilig.

 

Zum Unternehmen:

Die Vereinigung Hamburger Kitas gGmbH (bald "elbkinder") ist der größte regionale Anbieter von Kinderbetreuung in Hamburg bzw. Deutschland.

Das Unternehmen betreibt im gesamten Hamburger Stadtgebiet 180 Kitas. Ein Teil davon mit sog. Eltern-Kind-Zentren und neuerdings auch Horten an Schulen. Die "Vereinigung" zählt zu den 15 größten Arbeitgebern Hamburgs.

Die Vereinigung hat eine Tochtergesellschaft, in der (leider) tariflos das Haus- und Küchenpersonal angestellt ist. Alle unsere Kindertageseinrichtungen werden von eigenen Küchen frisch bekocht und von eigenen Mitarbeitern gereinigt.

Der Betrieb betreut und bildet ca. 24.000 Kinder aller Altersgruppen von 0 -14.

5000 Beschäftigte haben beide Betriebe zusammen, was einen 31. köpfigen Betriebsrat zur Folge hat. 

 

Zur Person:

Roland Schneider ist 43 Jahre alt. Von Beruf ist er Erzieher.

Im Betriebsrat ist Schneider seit 10 Jahren, Freigestellt seit 8 Jahren.

Schneider ist Personalausschussvorsitzender und Vorsitzender der AG Öffentlichkeitsarbeit.

Seine Schwerpunkte sind: Arbeitsrecht, Tariffragen, EDV und Öffentlichkeitsarbeit.

Schneider ist ver.di Mitglied.

 


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